Kurzer Abriss auf den Stand der Technik beim Bau der Brückenbögen aus Stahlbeton

1) CRUCIANI METHODE
Bau des Bogens auf hölzernen Fachwerkträgern.
Um die Verformung des Gerüstes zu mindern, wird das Einbringen von Beton von der unteren Bogenplatte in kleineren Mengen an verschiedene Stellen des Bogens  angebracht.
Auf diese Weise werden die Abschnitte der Rippen und der oberen Platte mithilfe einer Seilbahn betoniert.

2) FREIVORBAU METHODE
Hier wird der volle Bogenquerschnitt bis zu seiner endgültigen Lage mittels einem Schalungsgerüst abschnittsweise betoniert. Nach Erhärtung des Betons wird die Verankerung vom Gerüst auf dem Beton umgesetzt und das Gerüst um einen Bogenabschnitt weiter versetzt. Der Materialtransport geschieht mittels einer Seilbahn.

3) FREIVORBAU MIT GLEICHZEITIGEN BAU DES ÜBERBAUS
Hier erfolgt ein Horizontaltransport auf dem Überbau. Die Seilbahn entfällt. Durch die Verdoppelung der freitragenden Last wirkt die erforderliche Rückverankerung entsprechend.
Unterschiedliche Arbeiten an zusätzlichen Diagonal-Hängern und deren Empfindlichkeit bei Temperaturunterschieden erschweren die Ausführung und die Statik

4) BOGENKLAPPVERFAHREN
Vor- und Nachteile des Verfahrens:
Die Bogenhälften werden aufrecht wie Pfeiler in einer Kletterschalung von oben betoniert.
Vorläufig sind diese in das Fundament (Kämpfer) eingespannt. Neben dieser Einspannung sind gleichzeitig auch die Gelenklager eingebaut. Zum Ablassen der Bogenhälfte wird diese Einspannung deaktiviert. Nach dem Zusammenschluss der Bogenhälften im Scheitelbereich wird die Einspannung des Bogens mit dem Kämpfer wieder hergestellt.

Mit dieser Bauart waren folgende Unterschiede zu den Baumethoden 1) bis 3)  sichtbar :

  • Wiederkehrende Arbeitsabläufe bei Erstellung der Bogenabschnitte.
  • Minimaler Bedarf an Arbeitskräften und abgesicherte Arbeitsplätze innerhalb der Kletterschalung.
  • Ebenerdige Herstellung der Bewehrungsnetze und Einbau mit dem Kran.
  • Optimale Verdichtung von Beton und Auftreten von nur radialen Arbeitsfugen.
  • Abgekoppelte Arbeitsabläufe beim Bau des Bogens von Arbeiten an der Abspannung und Verankerung.
  • Bogenbau ohne Horizontaltransport von Menschen und Material.
  • Keine Störung oder Zerstörung des Raums zwischen den Kämpfern.
  • Genaue Einhaltung der Statikvorgaben ist in allen Bau und Ablassphasen gesichert.


Möglicher Nachteil bei der Verwendung des Klappverfahrens liegt in der Notwendigkeit einer harmonischen Zusammenarbeit zwischen der Baufirma und einer Firma mit technischen Know-How und Ausrüstung für die Verankerungs- und Ablasstechnik.
Beim Bau der Argentobelbrücke hat diese Zusammenarbeit zwischen der Fa. Ilbau-Spital und Fa. Vorspanntechnik vorzüglich funktioniert.

Noch ein Gedanke zum Schluss.
Unter bestimmten Voraussetzungen (zum Beispiel: Winterbau ) wäre die Erstellung der Bogenhälften aus vorgefertigten Baukästen in Mauertechnik mit nachträglicher Verspannung oder einer bewehrten Betonfüllung denkbar.

Stanko Ferle  | zg@klappbogen.de