Bogenbau der Argentobelbrücke

Bogenbaumethode von Stanko Ferle, patentiert für die Firma Ing.büro Bung-Heidelberg-Deutschland (Deutsches Patent Nr. P 3016057.7-25 vom 26. April 1980)  unter den Namen :   Bogenklappverfahren
Erstmals angewandt in Bayern im Jahr 1983-85 beim Bau der Argentobelbrücke:

Bauherr: Strassenbauamt Kempten
Bauausführung: Fa. Ilbau Spital-Austria
Planung: Ing Büro Bung Ndl. Memmingen
Prüf-Ing: Prof.Dr.Ing.Herbert Kupfer - TU München.
Kletterschalung für den Bogen: Fa Doka
Ablasskabel und Felsanker: Fa. Vorspanntechnik

 

 Kurzbeschreibung des Bogenbaues:


Der Brückenbogen wurde aus zwei aufrecht stehenden, vorläufig im Bogenkämpfer eingespannten Bogenhälften in einer Kletterschalung von oben wie ein Brückenpfeiler betoniert und dannach mittels Spannkabels in Endlage des Bogens abgelassen.

 

Schematische Darstellung der Bauphasen

 

 
Nach dem der Bogenbau die Höhe des späteren Überbaues erreicht hat,  wurde er in dessen Ebene vorläufig mittels einer Stahlkonstruktion zurückgefahren (s. Zeichnung) um das Betonieren nachfolgender Takte zu erleichtern.
Im Zusammenwirken dieser Haltekonstruktion und der ersten zwei Ablasskabel, welche beim Erreichen von ca. 75% der Bogenhöhe angebracht und leicht angespannt wurden, konnte man den Bogen zusätzlich stabilisieren und die in diesen  Zustand auftretenden Biegemomente mindern.
Zum Ablassen des Bogens wurden die 8 Litzen Spannkabel von je 2 MN Tragkraft durch am Verankerungsblock festgehaltene Hohlpressen geführt. Durch wiederholtes Ablassen der Pressen wurde der Absenkvorgang gesteuert.

 

 

Darstellung des Verankerungsblockes

 

  
Die Schlaffebewehrung des Bogens wurde für die asymmetrische Belastung beim Bau des Überbaues bemessen und nicht für die oben beschriebene Bogenbauzustände.

 

 

Momentenverlauf im Bogen in den Bauphasen

 


Die Länge einzelner Betonierabschnitten betrug ca. 3.20 m.  Die Baugeschwindigkeit betrug ca. 2 Abschnitte pro Woche.
Für beide Bogenhälften wurde nur eine Schalung vewendet.

 

 

Doka-Kletterschalung im Einsatz

 

 


Durch Wiederholung nahezu gleicher Arbeitsabläufe in der gesicherten Schalungsvorrichtung wurde eine optimale Arbeitssicherung erreicht.
Bei dieser Baumethode sind alle Bauzustände statisch bestimmt. Der Bereich zwischen den Bogekämpfer blieb von dem Baubetrieb unberührt.
Die Bogekrümmung ist durch Kordinaten der einzelnen Betonierabschnitte kontrolliert und nach Bedarf gesteuert.
Nach dem Ablassen der Bogenhälften und vor dem Zubetonieren des 1,50 m langen „Schlusslücke"  im Bogenscheitel, bestand die Möglichkeit einer horizontalen Lagekorrektur durch im Berrich der Drehlager angebrachten hydraulischen Pressen. Eine Lagekorrektur war jedoch nicht notwendig.

 

 

Kurz vor Bogenschluss. Man beachte die unbeschädigte Landschaft

 


Der Brückenüberbau wurde anschliessend von beiden Seiten feldweise als massiver Plattenbalken erstellt.
Schon aus dieser Kurzbeschreibung des „Bogenklappverfahrens“ sind die technischen und wirtschaftlichen Vorteile gegenüber anderen Baumethoden ersichtlich.
Eine überzeugende Erklärung für die nur einmalige Anwendung  des „Bogenklappverfahrens“ ist an dieser Stelle notwendig.

Unmittelbar nach Vollendung der Argentobelbrücke hat die gleiche Strassenbaubehörde den Neubau der Wertachtalbrücke bei Nesselwang geplant. Es sollte wieder eine Bogenbrücke, zwingend aus  zwei nebeneinader stehenden Bauwerken, ausgeschrieben werden.
Bei den am Wettbewerb beteiligten Baufirmen bestand grosses Interrese eine Wiederholung des erfolgreichen Bauverfahrens wie bei der Argentobelbrücke anzuwenden.
Die Firma Bung, vertreten durch die Niederlassung Memmingen als Patentinhaber, verweigerte jedoch die Ausgabe der Patentrechte an die am Wettbewerb interressierten Teilnehmer.

Die Gründe für die Nichtfreigabe der Patent-Lizenz sind mir nicht bekannt.

Somit ist die Anwendung des Klappverfahrens bis heute „schubladisiert“ gewesen.
Trotz dieser Verweigerung boten bei oben genanten Wettbewerb elf Firmen das „Bogenklappverfahren“ zum Bau der Wertachtalbrücke (Siehe „Bauingenieur 66 (1991)  Seite 351-361).
Fünfundzwanzig Jahre sind seit dem Bau der Argentobelbrücke vergangen. In dieser Zeit sind einige Verbesserungen der Idee eingeflossen, welche zur weiteren Entwicklung beitragen könnten.

Zum Beispiel:
Die Drehlager für Bogenhälften, als betongefüllte Stahlrohre, verbleiben nach dem Verguss  der Einspannung im Bogenkämpfer.

 

 

Der Bodenkämpfer mit Drehgelenk

 

 
Die Stahkonstruktion die zum Festhalten und Anschieben der Bogenhälfte dient, kann mit Hilfe der Spannglieder besser funktionieren.
Die Ablasspressen können sich direkt vom Ankerblock einfacher bedienen.
Eine wesentliche Einsparung der Bogenbauzeit könnte man durch die Herstellung des Bogens in nur einer festen Position vom Kämpfer bis zur Spitze erreichen.
 

Stanko Ferle  | zg@klappbogen.de